1012 | Werkschau: 25 neue Tools im Kurztest

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Show notes

Neue Tools und Experimente für Mac, Browser, Handy und KI-Alltag: von lokalen KI-Helfern über Notch-Apps bis zu Karten- und Serverdiensten – kompakt vorgestellt und eingeordnet.

Zeitleiste

  • 00:00:04 Einleitung
  • 00:00:48 KI-Agenten & lokale KI-PCs
  • 00:04:08 KI für Arbeit, Posteingang und Jobsuche
  • 00:07:28 Mac-Verbesserungen: Notch, Sound, Terminal & Screen-Recording
  • 00:11:07 Nutzer-Apps: Sound, Schreiben, Tabellen, Sport
  • 00:14:13 Entwickler- & Browser-Spielereien: Claude-Mod, Japan-Experiments
  • 00:16:34 Launch-Lektionen & kostenlose Nischen-Tools
  • 00:18:58 Abschluss

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Transcript

Lena Vogel: Hallo und willkommen zum Update-Lauf, ich bin Lena Vogel.

Felix Hartmann: Und ich Felix Hartmann. Heute schauen wir auf einen Stapel neuer Produkte, und da zeichnet sich tatsächlich ein Muster ab: KI zieht nicht mehr nur in Chat-Fenster ein, sondern wird Dauerbewohner – läuft im Hintergrund, baut Kontext auf, wartet auf Freigaben. Und parallel dazu gibt es eine ganze Welle von Tools, die genau das Gegenteil versprechen: alles lokal, nichts verlässt den Rechner.

Lena Vogel: Und das Spannende ist, dass diese beiden Linien sich kreuzen. Der gleiche Wunsch – Kontrolle behalten – taucht mal als 3.500-Dollar-PC auf und mal als kostenlose Open-Source-App. Lass uns einfach durchgehen und schauen, wo das hinführt.

Felix Hartmann: Dann fangen wir groß an. Ghost Core. Das ist ein kompletter KI-PC für 3.499 Dollar. Die Idee: Die Modelle laufen komplett lokal auf der Maschine, mit einer RTX PRO 4000 drin. Und der eigentliche Kniff ist, dass das System kontinuierlich Kontext aufbaut – aus Apps, aus Dateien, sogar aus Wearables.

Lena Vogel: Das ist schon eine ordentliche Schwelle. 3.499 Dollar ist keine spaßige Nebensache, das ist eine richtige Kaufentscheidung. Das Verkaufsargument ist offensichtlich Datenschutz: Weil alles lokal läuft, verlassen deine Daten theoretisch nie das Haus. Aber genau da würde ich nachfragen.

Lena Vogel: Der Hersteller sagt, die Modelle laufen lokal – das ist eine Behauptung aus der Beschreibung, und wir haben nichts darüber, wie gut das in der Praxis funktioniert, wie performant die Modelle auf dieser Hardware wirklich sind.

Felix Hartmann: Und die offene Frage ist ja nicht nur die Hardware, sondern die Kontext-Sammel-Maschinerie drumherum. Ein System, das ständig aus deinen Apps, Dateien und Wearables Kontext zieht, ist per Design ein System, das viel über dich weiß. Lokal gespeichert ist gut, aber die Frage bleibt: Wie kontrollierbar ist das? Kann man einsehen, was es aufgezeichnet hat? Kann man Dinge löschen? Das steht in der Quelle nicht.

Lena Vogel: Genau. Und wer nicht 3.500 Dollar ausgeben will, für den gibt es eine interessante Gegenposition direkt auf dem Mac: Agibot. Ein immer aktiver KI-Agent, der im Hintergrund läuft, aber – und das ist der Unterschied – vor riskanten Aktionen fragt. Also nicht erst fragen, wenn es kritisch wird, sondern als Grundprinzip.

Felix Hartmann: Und der Preis ist bemerkenswert: dauerhaft gratis, du bringst nur deinen eigenen API-Key mit. Das heißt, du zahlst die Token-Kosten direkt an den Modellanbieter, aber die App selbst kostet nichts. Das senkt die Einstiegshürde enorm im Vergleich zu Ghost Core.

Lena Vogel: Was man hier vergleichen kann: Beide setzen auf den dauerhaft aktiven Agenten. Ghost Core löst das über eine eigene teure Maschine, Agibot über einen Hintergrundprozess auf dem Mac, den du schon hast. Beide versprechen Autonomie im Alltag, beide versprechen Sicherheit – Ghost Core über Lokalität, Agibot über die Freigabe vor riskanten Schritten. Aber bei beiden gilt: Das sind Herstellerangaben. Wir wissen nicht, wie oft Agibot fragt, wie nervig oder wie geschickt das in der Praxis ist.

Felix Hartmann: Und dann die dritte Position in diesem Feld, die einen anderen Ansatz fährt: Perplexity Computer Automations. Da geht es nicht um einen Agenten, der ständig zuhört, sondern um langlaufende Agenten, die man per Zeitplan oder Trigger startet. Der Clou: Sie merken sich frühere Läufe. Also ein Agent, der jede Nacht etwas macht, weiß beim nächsten Lauf, was er gestern gemacht hat.

Lena Vogel: Das ist quasi eine Weiterentwicklung von Scheduled Tasks. Klassische Zeitplaner führen stumm dasselbe Skript aus; hier bekommt der geplante Lauf ein Gedächtnis. Das ist eine echte funktionale Differenz gegenüber Cron-artigen Dingen.

Felix Hartmann: Wenn wir die drei nebeneinanderlegen: Ghost Core baut den lokalen Superrechner, Agibot läuft gratis im Hintergrund mit Freigabepflicht, Perplexity Automations plant Agenten mit Gedächtnis. Das gemeinsame Muster ist eindeutig – KI wird dauerhaft aktiv statt auf Abruf. Und die offene Frage bei allen dreien ist dieselbe: Wie sicher und wie kontrollierbar bleibt das, wenn es dauerhaft läuft? Einmal pro Stunde einen Prompt absetzen ist etwas anderes, als einem System permanent Kontext zu geben.

Lena Vogel: Und das führt uns direkt zum nächsten Thema, denn dort sieht man das Gegenteil von Autopilot: KI in der Arbeit, aber konsequent mit Freigabe-Schleifen. Fangen wir mit Ayven an. Das ist ein KI-Koordinator für Slack und Teams, der Aufgaben über Wochen verfolgt, Verantwortliche fragt, und – wichtig – Dinge nur verschiebt, wenn er eine Freigabe bekommt.

Felix Hartmann: Das Wochen-Tracking ist der interesting part. Die meisten Bots in Slack leben von der Momentaufnahme: „Erinnerung an Aufgabe X." Ayven soll über Wochen hinweg mitbekommen, wie eine Aufgabe steht, und die Verantwortlichen aktiv ansprechen. Aber der Hersteller verschiebt nichts eigenmächtig. Das ist eine Design-Entscheidung gegen den Autopiloten.

Lena Vogel: Parallel dazu MePersona – für Creator. Eine einheitliche KI-Inbox, die Antworten im eigenen Stil entwirft, aber vor jedem Send eine Freigabe verlangt. Zweisprachig Englisch und Spanisch. Also wieder dasselbe Prinzip: Die KI macht die Vorarbeit, der Mensch drückt den Absende-Knopf.

Felix Hartmann: Man sieht das Muster sehr deutlich, oder? Bei Ghost Core war die Freigabe die Ausnahme – „fragt vor riskanten Aktionen". Hier bei Ayven und MePersona ist die Freigabe die Regel. Jede Aktion läuft erst durch den Menschen.

Lena Vogel: Im Vertriebsumfeld geht es ähnlich zu, nur mit anderem Fokus: kōdlo, ein KI-Vertriebs-Workspace mit gemeinsamem Speicher fürs Team. Lead-Finding mit belegten Signalen – das heißt, wenn die KI sagt, das ist ein interessanter Lead, dann gibt es dazu Signal-Belege. Plus Deep Research und die Möglichkeit, Decks aus den eigenen Docs zu bauen.

Felix Hartmann: „Belegte Signale" ist ein Versprechen, das man ernst nehmen aber auch prüfen sollte. Der Unterschied zwischen „die KI hat 50 Leads gefunden" und „hier sind die konkreten Anzeichen, warum diese 5 relevant sind" ist riesig. Das ist ein Hersteller-Claim, und wie belastbar die Signale in der Praxis sind, wissen wir nicht.

Lena Vogel: Dann eine Ecke, die thematisch etwas abseits liegt, aber gut in die KI-für-Arbeit-Story passt: HireKey. Eine KI-Jobsuche mit Recruiter-Erfahrung aus Microsoft, Amazon und Stripe. Rollen-Fit, also passende Rollen finden, Lebenslauf-Tailoring, und ein KI-Voice-Interviewcoach zum Üben.

Felix Hartmann: Die Recruiter-Biografie ist natürlich ein Verkaufsargument – „wir wissen, wie die andere Seite denkt". Das ist ein Claim der Macher, aber es ist zumindest ein nachvollziehbarer: Wer selbst bei großen Tech-Firmen rekrutiert hat, hat ein konkreteres Bild von Bewertungsprozessen als ein generisches Tool. Ob das der Umsetzung zugute kommt, ist offen.

Lena Vogel: Und das letzte Stück in dieser Rubrik: Foley, eine Sprach-To-do-App. Du sagst die Aufgabe, sie wird mit Projekt, Datum und Erinnerung angelegt. Und bei Unsicherheit fragt sie nach, statt zu raten. Desktop gratis mit eigenem Key.

Felix Hartmann: Das Nachfragen ist hier wieder dasselbe Muster wie bei Ayven und Agibot: lieber nachfragen als falsch handeln. Bei einer To-do-App ist der Schaden klein, aber das Prinzip ist dasselbe. Und auch hier wieder das eigene-API-Key-Modell wie bei Agibot – die App ist gratis, du zahlst die Nutzung direkt.

Lena Vogel: Wenn man das Thema zusammenfassen will: Nirgendwo hier läuft die KI als Autopilot. Überall gibt es eine Schleife – Freigabe vor dem Verschieben, Freigabe vor dem Senden, Nachfrage bei Unsicherheit, „belegte Signale" statt unhinterfragter Ergebnisse. Das ist der bemerkenswerteste Kontrast zu den Hintergrund-Agenten vom Anfang.

Felix Hartmann: Und eine schöne Brücke von dort: Der Mac taucht in beiden Welten auf. Agibot ist ein Mac-Agent, Foley läuft auf dem Desktop – und jetzt kommen wir zu einer ganzen Welle von Tools, die den Mac selbst verbessern. Fangen wir beim auffälligsten Wettbewerb: der Notch.

Lena Vogel: Da gibt es zwei Produkte, die fast dasselbe tun. Halo 2.0 macht den Notch des Mac zur Dynamic Island – wie vom iPhone bekannt – mit Benachrichtigungen, Diktat per Fn-Taste, und einem Agent-Buddy, der Claude Code und Codex einbindet. Für 9,99 Dollar einmalig.

Felix Hartmann: Und der direkte Konkurrent heißt NotchPit. Auch da: der Notch als Steuerzentrale. Musik mit Lyrics, Gebetszeiten, und 64 Extensions. Einmaliger Lifetime-Kauf.

Lena Vogel: Zwei Apps, dieselbe Fläche, derselbe Einmalkauf-Preisgedanke. Das zeigt, dass die Notch inzwischen als Hotspot für Mac-Tools wahrgenommen wird – so eine Mini-Bühne oben am Bildschirm, die sonst ungenutzt ist. Interessant ist die Differenzierung: Halo setzt auf die Dynamic-Island-Metapher und den KI-Agenten, NotchPit auf Breite – 64 Extensions, Gebetszeiten als ein Beispiel für einen Nischen-Anwendungsfall.

Felix Hartmann: Was wir beide nicht wissen: Wer von beiden besser funktioniert, wie flüssig die Animationen sind, ob sich 64 Extensions mit der Performance beißen. Das sind keine Fragen, die die Quellen beantworten. Aber die Konkurrenz allein zeigt, dass da Nachfrage vermutet wird.

Lena Vogel: Vom Bildschirm an den Trackpad-Rand: EdgeVolume. Eine freie Open-Source-MacOS-App, mit der du die Lautstärke per Fingerwisch an der Trackpad-Kante regelst, plus Menüleiste-Integration. Early Access.

Felix Hartmann: Das ist ein charmantes Problem-Tool. Lautstärke regeln ist auf dem Mac ehrlich gesagt umständlich, und die Kante des Trackpads ist sonst ungenutzte Fläche – ganz ähnlich wie die Notch. Auch hier wieder Open Source, also einsehbar statt Blackbox.

Lena Vogel: Vom Trackpad ins Terminal: DevTerminal. Ein macOS-Terminal mit einer Run-Taste pro Projekt – für Android, iOS, Web oder Backend. Bekannte Stacks werden automatisch erkannt, und es kostet 39 Dollar einmalig.

Felix Hartmann: Die Run-Taste ist der Kern: Statt sich zu merken, welchen Befehl man für dieses eine Projekt starten muss, drückt man einen Knopf. Die automatische Stack-Erkennung ist das, was das von einem normalen Terminal mit Aliasen unterscheidet. Für jemanden, der täglich zwischen vier Projekttypen wechselt, ist das eine echte Zeitersparnis – laut Herstellerbeschreibung. 39 Dollar sind eine klare Einmalkauf-Positionierung, ähnlich wie bei den Notch-Apps.

Lena Vogel: Und das fünfte Tool in dieser Mac-Runde: OpenScreen 2. Ein freier Screen-Recorder und Editor unter MIT-Lizenz, mit Auto-Zooms, Schnitt direkt per Transkript, und – das ist der moderne Teil – MCP-Agent-Edits, also Agenten können den Schnitt bearbeiten. Läuft auf Windows, Mac und Linux, ohne Watermark.

Felix Hartmann: Der Transkript-Schnitt ist das eigentliche Feature. Statt frame-weise zu schneiden, sagt man: hier im Text, diese Passage raus – und der Schnitt passiert an der richtigen Stelle. Und die MCP-Anbindung schließt den Kreis zum Anfang unserer Sendung: Auch hier darf ein KI-Agent aktiv eingreifen, nur dass es ein Werkzeug ist, das man freiwillig und gezielt startet.

Lena Vogel: Wenn wir die Mac-Runde Revue passieren lassen: der Mac ist gerade ein Hotspot für Tools. Und auffällig ist der Preis-Mix – 9,99 für Halo, Lifetime für NotchPit, 39 für DevTerminal, gratis und Open Source bei EdgeVolume und OpenScreen 2. Es gibt kein Dominanz-Modell, jeder probiert etwas anderes.

Felix Hartmann: Und genau diese Preislogik – lokal, fair, einmalig – zieht sich auch in die nächste Gruppe hinein. Da geht es um Apps für den Alltag: Sound, Schreiben, Tabellen, Sport. Auch hier wieder ein starker Trend zum lokalen Rechner.

Lena Vogel: Fangen wir mit Unboom. Eine Mac-App, die nur den raumbedingten Bass senkt – nie boostet. 14 Tage gratis, danach 19,99 Dollar einmalig. Und es werden keine Daten übertragen.

Felix Hartmann: „Senkt nur, nie boostet" ist eine ungewöhnliche und ehrliche Positionierung. Die meisten Sound-Tools versprechen mehr von allem. Unboom sagt: Wir machen nur eine Sache, wir reduzieren den Bass, der durch den Raum bedingt unangenehm wird, und wir übertreiben es nicht. Und wieder das Datenschutz-Argument: keine Datenübertragung.

Lena Vogel: Dann SimpleSpread. Eine native Tabellenkalkulation für den Mac, in Swift geschrieben, MIT-open-source, XLSX-nativ – also XLSX als echtes Format –, mit 156 Funktionen. Und ein Detail, das man hervorheben sollte: CSV-Injection-sicher. Kostenlos.

Felix Hartmann: CSV-Injection ist ein echtes Sicherheitsproblem, das viele kennen aus dem Kontext: Man öffnet eine CSV und Zellen fangen mit Formeln oder Kommandos an, die schädlich sein können. Dass eine kostenlose Open-Source-Kalkulation das explizit adressiert, ist bemerkenswert. MIT-Lizenz plus nativ plus kostenlos – das ist fast eine Anti-Kommerz-Positionierung mitten in einer KI-Welle.

Lena Vogel: Weiter mit FocusWrite. Eine lokale First-Schreib-App mit Fokus-Modi, Ambient-Sounds, und – interesanter Mix – optionalem Cloud-Sync. Plus PDF-Export.

Felix Hartmann: „Lokal First mit optionalem Sync" ist ein kluger Kompromiss. Man bekommt die Privatsphäre- und Offline-Vorteile standardmäßig, muss aber nicht auf Synchronisation zwischen Geräten verzichten, wenn man sie will. Das ist differenzierter als ein Entweder-oder.

Lena Vogel: Und der Sport-Part: Pickle Sensei. Ein iPhone-KI-Trainer für Pickleball-Einzeltraining, mit On-Device-Pose-Tracking. Das Video bleibt lokal auf dem Gerät. Pro-Version ab 7,99 Dollar pro Monat.

Felix Hartmann: Auch hier wieder dasselbe Grundprinzip: Die sensibleste Datenkategorie überhaupt – Video von deinem Körper – wird on-device verarbeitet und verlässt das Telefon nicht. Das ist das gleiche Argument wie bei Ghost Core, nur mit konsequenterer Umsetzung, weil es schlicht das kleinere Modell ist, das on-device laufen kann. Aber der Preis bricht das Muster: 7,99 pro Monat statt einmalig – bei einer App, die Bewegungsanalyse macht, ist das vermutlich wegen der Rechen- und Entwicklungskosten.

Lena Vogel: Wenn man diese Gruppe zusammenfasst: privat, oft lokal, faire Einmalkauf-Preise – Unboom 19,99 einmal, SimpleSpread kostenlos, FocusWrite lokal first, Pickle Sensei als einzige Ausnahme mit Abo. Es scheint fast eine Gegenbewegung zur Cloud-Standard-Logik zu sein. Und von dieser Grundstimmung aus gibt es dann noch eine Gruppe, die eher verspielt ist: Entwickler- und Browser-Spielereien.

Felix Hartmann: Fangen wir mit dem spannendsten für Entwickler: der Edgee Mod für Claude Code. Damit kannst du das Modell in einer laufenden Claude-Code-Session wechseln – über 200 Modelle. Plus eine Live-Einsparungsanzeige, und der Claude-Tarif bleibt erhalten.

Lena Vogel: Das Modellwechsel-Feature ist technisch bemerkenswert, weil eine Session normalerweise an ein Modell gebunden ist. Mid-Session wechseln zu können heißt: schwere Denkarbeit mit einem Modell, schnelle Ausführung mit einem anderen, ohne den Kontext zu verlieren. Und die Live-Einsparungsanzeige adressiert das größte Praxisproblem bei Agenten-Coding: die Kosten.

Lena Vogel: Ob der Claude-Tarif dabei wirklich unangetastet bleibt und wie sauber der Wechsel funktioniert – das sind Hersteller-Angaben, die man in der Praxis prüfen müsste.

Felix Hartmann: Vom Arbeitstier zur Kuriosität: Gboard Kurukuru. Google Japan macht sein 15. Tastatur-Experiment. Das Konzept: ein Förderband mit 116 Tasten, gedacht für Einhand-Betrieb. Open Source, aber nicht käuflich.

Lena Vogel: Ich liebe diese Google-Japan-Tradition. Ein Förderband mit 116 Tasten – das ist Absurdität als Designforschung. Du lässt das Band laufen und greifst im richtigen Moment zu. Und dass es Open Source ist, heißt: Wer will, kann es nachbauen, aber kaufen kann man es nicht. Es ist ein Experiment, kein Produkt.

Felix Hartmann: Und die zweite Spielerei: Poke Finder. Eine Browser-Extension, mit der man beim Surfen Pokémon fängt. 1.025 Arten, alle 9 Generationen. Die Sammlung wird lokal gespeichert.

Lena Vogel: Das ist im Grunde Gamification des Browsers. Man surft wie sonst, aber es tauchen Pokémon auf, die man fangen kann, und man baut langsam eine Sammlung von über tausend Arten auf. Lokal gespeichert heißt: keine Konten, kein Server, dein Fortschritt gehört dir.

Felix Hartmann: Und dann noch eines aus dieser Gruppe, das Arbeit und Spiel verbindet: Tori. Japanisch-Hörtraining aus eigenen Sätzen. Vier Hörmodes, SRS-Karten – also Wiederholung in wachsenden Abständen –, KI-Stories, und On-Device-KI optional.

Lena Vogel: Tori passt thematisch zu Kurukuru, weil beides Japan betrifft, aber die Funktion ist ernsthaft: Du trainierst Hören mit deinen eigenen Sätzen, nicht mit vorgefertigten Kursinhalten. Das eigene Material ist der Unterschied zu Standard-Sprachapps. Und wieder die Option, KI on-device zu nutzen statt in der Cloud – das Muster aus der ganzen Sendung.

Felix Hartmann: Und damit kommen wir zum letzten Block: Launch-Lektionen und kostenlose Nischen-Tools. Der ehrlichste Teil der Sendung, denke ich. Fangen wir mit der Lektion: shippedit.me. Eine Launch-Plattform, deren Gründer das Produkt gerade pausiert – wegen schwacher Conversion – und eine Neupositionierung plant.

Lena Vogel: Das ist bemerkenswert ehrlich. Ein Gründer, der öffentlich sagt: Es funktioniert nicht gut genug, ich pausiere und denke neu. Das ist eine wichtige Erinnerung: Für jede erfolgreiche Launch-Geschichte gibt es viele, die es nicht schaffen, und kleine Launch-Plattformen haben es objektiv schwer, sich gegen große Plattformen zu behaupten. Was die Neupositionierung konkret wird, ist offen.

Felix Hartmann: Und auf der anderen Seite dieses Themas stehen die kostenlosen Nischen-Tools, die einfach da sind. FloorGen: ein kostenloser KI-Grundriss-Editor im Browser, mit IRC-Prüfung – also Prüfung der Bauvorschriften –, 3D-Walkthrough, Export, und MCP-Anbindung an Claude und ChatGPT.

Lena Vogel: Die IRC-Prüfung ist das Serious Feature – Grundrisse sind nicht nur Zeichnen, sondern Einhaltung von Vorschriften. Und wieder MCP: Man kann den Grundriss-Editor per Agent ansprechen. Kostenlos und im Browser, das senkt die Hürde stark für etwas, das normalerweise teure Profi-Software ist.

Felix Hartmann: Dann Kooler: eine gratis Cocktail-App ohne Ads und ohne Paywall. Das Herzstück ist „My Bar": Du legst fest, welche Spirituosen du zu Hause hast, und die App zeigt dir, welche Drinks du damit machen kannst. Über 100 Rezepte, inklusive brasilianischer Klassiker.

Lena Vogel: „My Bar" ist eine dieser einfachen, klugen Lösungen für ein reales Problem: Man hat drei Flaschen und weiß nicht, was man mixen kann. Dass es gratis ist und ohne Ads, macht die Positionierung radikal – da ist offenbar kein Geschäftsmodell, sondern ein Nutzen-Angebot.

Felix Hartmann: Und der letzte im Bunde: NewMinecraftServers. Ein Verzeichnis mit 10.763 Minecraft-Servern, und für Server-Besitzer gibt es Analytics: Spielezahlen, Klicks, und Kopier-Tracking – also nachvollziehen, wenn jemand die Serveradresse kopiert.

Lena Vogel: Das Kopier-Tracking ist ein cleveres Detail. Bei einem Server-Verzeichnis ist die entscheidende Aktion, dass jemand die Adresse kopiert und im Spiel einfügt – und genau das wird messbar. Für die Betreiber ist das direkteres Feedback als Seitenaufrufe.

Felix Hartmann: Wenn wir zurückblicken: Wir haben heute KI gesehen, die dauerhaft im Hintergrund aktiv wird – vom 3.500-Dollar-PC über den gratis Mac-Agenten bis zu geplanten Agenten mit Gedächtnis.

Lena Vogel: Und parallel dazu die Antwort darauf: Freigabe-Schleifen in der Arbeit, lokale Verarbeitung von Sound über Tabellen bis zum Sport-Video, Open Source statt Blackbox, und am Ende sogar ein Gründer, der ehrlich zugibt, dass sein Launch nicht lief.

Felix Hartmann: Das verbindende Thema war wirklich die Kontrolle: Wer behält die Hoheit über Daten, Entscheidungen und Geld – und wo sind die Grenzen noch unklar. Vieles davon sind Herstellerangaben, die man in der Praxis erst prüfen muss.

Lena Vogel: Genau so nehmen wir es mit. Danke, dass du dabei warst, ich war Lena Vogel.

Felix Hartmann: Und ich Felix Hartmann. Bis zum nächsten Mal!