
0920 | Von Meetings bis Mantra: neue Werkzeuge für Kopf, Küche und Kopfhörer
Show notes
Diese Episode wirft einen Blick auf neue Tools und Geräte, die Arbeitsalltag, Fokus und Freizeit verändern: ein KI-Notetaker für Sprachen jenseits von Englisch, ein Datenmodell-Konzept gegen widersprüchliche Zahlen, ein Open-Source-Coding-Agent mit Kompromiss, ein alternatives Tool-Protokoll für Ruby, eine App, die Doomscrolling in Sparen verwandelt, zwei meditative Gegenentwürfe zu gestressten Wellness-Apps, ein Mac-Kalender für Zwischenablage und Screenshots, ein Bildschirmrecorder, der selbst
Zeitleiste
- 00:00:04 Einleitung
- 00:00:24 Meetings, Zahlen und geteiltes Wissen: was wirklich festgehalten wird
- 00:06:40 Open-Source-KI bauen: Bolt Forge und ein Protokoll ohne Wrapper-Steuer
- 00:09:03 Bildschirmzeit kostet – Squirrel macht daraus eine bewusste Zahl
- 00:12:57 Ruhe ohne Abo-Falle: Mantra Timer und Lull
- 00:17:58 Mac-Werkzeuge, die Suchen und Schneiden abnehmen: BiBimba und Lumiko
- 00:22:52 Alltag planen: Essen, Aufgaben – und Steam im Gesicht
- 00:28:30 Abschluss
Weitere Links
- VoiceCap
- Basedash Models
- Punch
- Squirrel
- Mantra Timer
- Lull
- BiBimba
- Lumiko
- Mise
- Doneit 3.2
- Steam Frame
- Bolt Forge
Diese Folge wurde von Bri produziert. Bri nutzt fortschrittliche KI-Technologie, um die Feeds, die dir wichtig sind, in Podcasts zum Zuhören zu verwandeln. Kontakt: hi@bri.so.
Transcript
Lena Vogel: Herzlich willkommen zum heutigen Produkt-Talk, ich bin Lena Vogel.
Felix Hartmann: Und ich Felix Hartmann. Wir schauen heute in die letzten 24 Stunden Launches und Diskussionsfäden – und es fällt auf: Viele dieser Produkte drehen sich um dieselbe Grundfrage. Was bleibt eigentlich hängen? Was wird wirklich festgehalten – in Meetings, in Abfragen, im Gruppenchat, in der Küche?
Lena Vogel: Genau, das ist der rote Faden heute. Und wir fangen direkt mit dem vielleicht konsequentesten Beispiel an: VoiceCap, ein KI-Notizwerkzeug für Meetings, das vor allem eines anders macht als die etablierten Konkurrenten – es bleibt in der Sprache des Meetings.
Felix Hartmann: Der Hintergrund ist gut erzählt: Der Gründer Rokas läuft eine KI-Agentur in Litauen, sitzt ständig in Kundenterminen auf Litauisch, und das Muster war immer dasselbe – drei Leute machen ihre eigenen Notizen, zwei Wochen später streitet man, was eigentlich beschlossen wurde. Und jeder KI-Notiz-Taker, den er ausprobiert hat, war auf Englisch gebaut. Die Zusammenfassungen hätten auf Litauisch wie eine schlechte Übersetzung eines Meetings geklungen, das man gar nicht gehabt hatte.
Lena Vogel: VoiceCap transkribiert in über hundert Sprachen und schreibt dann Zusammenfassung, Aufgaben und Entscheidungen in derselben Sprache – nicht erst Englisch und dann zurückübersetzt. Er betont, dass gerade kleinere Sprachen gut abgedeckt sind, wobei das eine Behauptung bleibt, die man in der Praxis prüfen müsste. Eingegeben wird auf drei Wegen: Aufnahme im Raum über native Apps, ein Bot, der Zoom, Meet oder Teams joinen darf, oder einfach Datei-Upload.
Felix Hartmann: Und die Datenfrage behandeln sie europäisch: EU-Firma, Speicherung in Frankfurt, keine Nutzung der Aufnahmen fürs Modelltraining. Dazu 300 Gratisminuten ohne Kreditkarte, danach Pro für 29 Euro pro Aufnahme-Seat und Business für 49 mit unbegrenzter Aufnahme. Zuschauerrollen sind überall gratis.
Lena Vogel: Das eigentliche Herzstück ist für ihn aber nicht die Zusammenfassung, sondern der Decision Log. Seine Begründung: Zusammenfassungen und Aufgaben machen fast alle Notiz-Apps. Aber Entscheidungen als eigene, durchsuchbare Datensätze zu behandeln – das macht fast niemand. Der Slogan ist quasi: Was wurde entschieden, in welchem Meeting, in welchem Kontext.
Felix Hartmann: Und auf der Website sieht man konkret, wie das aussieht. Beispiel-Meeting, Website-Redesign: Zwei Sprecher im Transkript, Ruta sagt, Phase eins startet am ersten Oktober, Tomás hält dagegen, das Phase-zwei-Budget muss bis Ende September abgesegnet werden.
Felix Hartmann: Daraus wird ein Entscheidungseintrag: "Phase-zwei-Budget bis Ende September genehmigt", mit Zeitstempel, verlinkt auf die Sekunde, an der es gesagt wurde, plus Kontext: Tomás hat die Sign-off-Verantwortung, Ruta schickt den überarbeiteten Vorschlag.
Lena Vogel: Und das koppelt sie an KI-Assistenten über MCP. Das Beispiel im Material: Man fragt Claude, was haben wir Northwind in den letzten drei Calls versprochen – und bekommt zwei Zusagen mit Verweis aufs Meeting und die Sekunde. Das ist lesend, und der Assistent sieht nur, was man selbst sehen darf.
Felix Hartmann: Innerhalb des Tools gibt es auch Teilen und Rollen: privat, mit einer Gruppe, oder der ganze Workspace. Owners und Admins verwalten, Members nehmen auf und teilen, Viewers lesen nur. Und Projekte sortieren Meetings quasi selbst einhand, mit Suche über Transkripte, Zusammenfassungen und Entscheidungen.
Lena Vogel: Was würde ich kritisch setzen? Erstens: Wie gut die kleineren Sprachen wirklich sind, ist der zentrale Claim und gleichzeitig das, was man als Nutzer zuerst testen müsste – 300 Gratisminuten machen das allerdings tatsächlich leicht. Zweitens: Die 1.000 Minuten pro Seat im Pro-Plan – wer täglich viele Meetings hat, muss rechnen. Drittens ist die Entscheidungsextraktion ein KI-Output: Da bleibt die Frage, ob das Tool zwischen Vorschlag und wirklich genehmigter Entscheidung sauber unterscheidet.
Lena Vogel: Die Community hat bislang vor allem Verständnisfragen gestellt – was ist hier einzigartig –, also noch keine belastbaren Erfahrungsberichte von anderen.
Felix Hartmann: Und der Gründer sucht explizit Feedback zum Decision Log: Wie rekonstruiert ihr heute, wer vor drei Monaten wem was zugestimmt hat? Das ist ehrlich gesagt die richtige Frage, denn genau da liegt sein Unterscheidungsversprechen.
Lena Vogel: Bleiben wir beim Thema geteilte Wahrheit, aber wechseln von Meetings zu Datenabfragen. Basedash hat heute Models gelauncht – und die Analogie ist fast zu schön: Was VoiceCaps Decision Log für Beschlüsse ist, ist Models für die Definition eines Kunden oder einer Order.
Felix Hartmann: Max von Basedash beschreibt es so: Ein semantischer Workspace aus wiederverwendbarer, verwalteter SQL für die Konzepte, auf denen eine Firma tatsächlich läuft – Kunden, Orders, aktive Accounts. Statt dass jede Abteilung ihre eigene Abfrage schreibt und am Ende drei konkurrierende Kunden-Zählungen im Umlauf sind, definiert man es einmal. Und dann kann man es abfragen wie eine Tabelle: select star from models.customers.
Lena Vogel: Und entscheidend: Der KI-Assistent liest dieselbe Semantik. Ein Modell ist mehr als ein benannter SQL-Snippet – es hat eigene Ansichten für Details, Spalten, Measures und Segmente, dazu Synonyme, Row Grain und Schlüsselspalten, Beziehungen zu anderen Modellen und Usage Guidance, die der Assistent beim Antworten berücksichtigt.
Lena Vogel: Fragt man also nach aktiven Enterprise-Kunden, greift er auf das Measure "Active customers" und das Segment "Enterprise" zu – genau die Definitionen, auf die sich das Team geeinigt hat, statt zu raten, welcher Filter gemeint war.
Felix Hartmann: Max sagt, sie laufen selbst auf dieser Basis – das Produkt heißt Northstar – für ihre eigenen Kunden-, Order- und Active-Account-Definitionen. Fragen, die früher drei konkurrierende Zählungen erzeugt haben, treffen jetzt auf ein Modell. Wichtig zu hören: Das ist seine Schilderung aus der eigenen Nutzung, keine unabhängige Verifikation.
Lena Vogel: Praktisch: Legacy-Definitionen mit references migrieren automatisch, Admins können Models pro Organisation abschalten, falls der Workspace noch nicht so weit ist. Und die Product-Hunt-Community bekommt diese Woche eine verlängerte Testphase.
Felix Hartmann: Meine offenen Fragen dazu: Erstens – pflegen Teams das wirklich? Ein Modell mit Measures, Segmenten, Relationships und Usage-Guidance ist ein echtes Governance-Artefakt. Die Gefahr ist, dass Leute weiter eigene Queries schreiben, weil es schneller geht. Zweitens: Es gibt noch keine Community-Rückmeldungen dazu, wie sich das in echten Teams verhält – wir kennen bisher nur die Absicht und die Selbstbeschreibung.
Felix Hartmann: Und drittens ist es abhängig vom Basedash-Ökosystem – wer das schon nutzt, kann vermutlich leicht einsteigen, wer nicht, hat eine kleine Migration vor sich.
Lena Vogel: Aber die Richtung ist sympatisch und stimmt thematisch mit VoiceCap überein: Beide sagen, das Problem ist nicht die Aufnahme oder die Abfrage – das Problem ist, dass geteiltes Wissen auseinanderdriftet. Und beide bauen deshalb ein Artefakt, das die gemeinsame Definition festhält und durchsuchbar macht.
Felix Hartmann: Bleiben wir beim Festhalten, aber auf einer viel kleineren, sehr menschlichen Ebene. Punch ist eine App, die genau an dem Punkt ansetzt, den jeder kennt: Man ist mit Freunden im Urlaub und braucht die Airbnb-Adresse, den Türcode, den Treffpunkt – und scrollt durch hundert Gruppenchat-Nachrichten.
Lena Vogel: Der Ursprung: Ein Gründer suchte mal wieder endlos im Gruppenchat nach der Adresse eines out-of-state-Freundes, um ihm ein Geburtstagsgeschenk zu schicken. Das war jährliche Tradition. Er fragte die anderen Mitgründer – Paul macht Marketing, Ryan Backend und Design, Justin Mobile – und das Problem war überall dasselbe. Punch ist ein Ort, wo man solche Info-Stückchen für sich oder eine Gruppe speichert: Airbnb-Adresse, Gate-Code, Itinerary, Einkaufsliste, wichtige Fotos.
Lena Vogel: Beschrieben als Kreuzung aus geteilten Notizen und visuellem Board.
Felix Hartmann: Ihre Abgrenzung, so wie sie es formulieren: Die Notizen-App füllt sich schnell und wirkt unübersichtlich, man kann einzelne Stücke nicht aus einer Notiz teilen, und es gibt OS-Inkompatibilität. Drive, Dropbox & Co. können speichern und teilen, sind aber eher auf Ablage ausgelegt. Das sind ihre Behauptungen – man sollte sie als Marketing-Positionierung lesen, nicht als Benchmark.
Lena Vogel: Interessant ist auch, was sie beim Bauen lernen mussten: Cross-Plattform war der Kampf – sie pendelten zwischen React Native und Flutter hin und her. Und der App-Store-Reviewprozess war laut ihrer Schilderung hart: drei Wochen, mehrere Ablehnungen, zwei davon, bei denen Apple Dinge monierte, die sie angeblich hatten. Der Play Store dagegen: in 24 Stunden im ersten Durchgang durch. Es ist auf beiden Plattformen verfügbar.
Felix Hartmann: Die Community-Rückmeldung im Material ist überwiegend wohlwollend – "This launch has a lot of Punch", gute Wünsche – also eher Anfeuerung als tiefe Kritik. Was offen bleibt: Wie verhindert die App, dass sie selbst zur zweiten Ablage wird, in der man wieder suchen muss? Dazu fehlen noch echte Nutzerberichte. Aber als konkretes Problem ist "Adresse aus dem Gruppenchat ziehen" hard to beat an Klarheit.
Lena Vogel: Kommen wir zu einem anderen Drift-Problem – dieses Mal zwischen dem, was man eigentlich wollte, und dem, was man tut. Wer den gemeinsamen Stand trifft, kennt auch das Gegenproblem: die Dinge, die einen ablenken. Squirrel ist ein iOS-App-Blocker, der daraus eine bewusste Zahl macht.
Felix Hartmann: Brian hat es selbst gebaut, mit Hilfe von Claude, wie er sagt. Die Entstehungsgeschichte: Thanksgiving-Break, Abend mit Freunden, zwei Themen im Raum. Erstens: Social Media hat unsere Gehirne gekapert – niemand öffnet Instagram bewusst, es ist eine Knie-Reaktion, dann sind 30 Minuten weg. Zweitens, im selben Gespräch: Investieren – alle fühlen sich da hinterher. Er war gerade in einem unternehmerischen Fieber, und als der ganze Raum beiden Problemen zustimmte, wollte er sie verbinden.
Lena Vogel: Der Mechanismus ist konsequent: Man wählt die Apps, die man zu oft öffnet, und setzt eine eigene "Maut" in Dollar fest. Tippt man Instagram an, gibt es einen harten Block – kein "Ignoriere das Limit für heute"-Button. Will man es wirklich öffnen, geht man in Squirrel, wählt die Dauer und setzt den Betrag beiseite. Und das Wichtigste, weil es immer gefragt wird: Squirrel zieht nichts ein. Kein Geld bewegt sich durch die App, keine Karte, kein Bankkonto.
Lena Vogel: Es ist eine Notiz an sich selbst, wie ein Fluch-Glas. Man investiert das Geld selbst in seinem eigenen Brokerage und sagt Squirrel, was man gekauft hat – die App trackt die Holdings mit Live-Preisen.
Felix Hartmann: Und da liegt eine interessante Ironie: Brian selbst hatte monatelang ein 45-Minuten-Limit pro Tag für Instagram – und lag trotzdem bei über zehn Stunden pro Woche. Der Grund, den er nennt: "Ignore limit for today" ist einen Tap entfernt. Seine ersten Wochen mit Squirrel: 1 Stunde 45 Minuten, danach 56 Minuten. Das ist beeindruckend – aber streng genommen nur n gleich 1, sein eigenes Erleben, kein kontrollierter Test.
Lena Vogel: Wirtschaftlich: Blockieren, Beiseitelegen und die Sparhistorie sind gratis. Die Portfolio-Ansicht mit Holdings, Wachstumscharts und Projektionen ist ein bezahlter Zusatz – 19,99 Dollar einmalig oder 8,99 Dollar im Jahr. Kein Account, keine Werbung, keine Datenerfassung laut App-Store-Angaben, alles bleibt auf dem Gerät und im iCloud. Und klar abgegrenzt: Squirrel ist keine Bank, kein Broker, kein Finanzberater, gibt keine Anlageberatung.
Felix Hartmann: Die Community hat zwei sehr gute Fragen gestellt. Die erste, die ich wirklich gut finde: Warum Geld als Währung? Ein Nutzer sagt, er glaube nicht an "Zeit gleich Geld". Sein Vorschlag: Was, wenn die Währung die Zeit selbst wäre? Wenn du als Musiker eine Stunde scrollst statt zu kreieren, schuldest du deiner Musik eine Stunde – nicht um sie zurückzubekommen, sondern um darüber nachzudenken, wohin die nächste geht. Das ist eine echte Design-Herausforderung an das Grundkonzept.
Lena Vogel: Die zweite Frage trifft den Kern jedes Blockers: "Just this once" – der Override-Button. Der Fragesteller sagt, genau daran sei er bei allen Screen-Time-Apps gescheitert. Und fragt: Hat Squirrel überhaupt einen Override, oder ist der Block wirklich hart? Was die Quelle zeigt: Der Block ist hart beschrieben – "a hard block, not a screen you can wave away" – aber die Antwort auf die Override-Frage ist im Material nicht enthalten. Das ist eine offene Frage, keine beantwortete.
Felix Hartmann: Noch ein Community-Eintrag, der gut zeigt, dass es Alternativen gibt: Ein Nutzer hat seinen Gameboy Advance ausgegraben – sobald der Scroll-Urge kommt, spielt er Pokémon oder Mario, und es fühlt sich befriedigend an, weil er etwas macht, woran er sich erinnert, statt nur gedankenlos zu scrollen. Keine Kritik an Squirrel, aber ein Hinweis, dass die Lösungen sehr individuell sind.
Lena Vogel: Was bleibt offen: Langzeit-Effekt. Wochen eins und zwei sehen gut aus – aber wie sieht Monat drei aus, wenn die Entscheidung müde wird? Und ob das Modell für Menschen funktioniert, die keinen Brokerage-Account haben oder nicht investieren wollen. Das alles unbeantwortet.
Felix Hartmann: Squirrel ist übrigens der harte Weg zum Fokus – eine künstliche Reibung mit Konsequenz. Und genau da schließt eine Gruppe von Produkten an, die Fokus ganz anders sucht: nicht durch Druck, sondern durch Vermeidung von Ablenkung und Abo-Druck. Mantra Timer ist das erste davon.
Lena Vogel: Der Entwickler Brent ist kein Fitness-Blogger, sondern praktiziert seit über 3.700 Tagen hintereinander Transzendentale Meditation – über zehn Jahre. Sein Problem: Der Wellness-Markt ist voll von aufgeblähten Apps. Die offiziellen Optionen verlangten aufdringliche persönliche Hintergrunddaten, andere drängten endlose geführte Programme, und fast alle verlangten ein monatliches Abo, nur um in Stille zu sitzen.
Felix Hartmann: Sein App-Design folgt daraus: Sie öffnet direkt zum Timer, keine Menüs, keine Auswahl. Null Datenerfassung, null Notifications, die um Aufmerksamkeit schreien. Die Gratis-Version hat Standard-Timer – 30 Sekunden Warm-up, 20 Minuten, 1 Minute Cool-down, plus eine Extended-Variante mit 40 Minuten –, Beruhigungs-Gongs, optionale Session-Reflexionen, lokale Historie über zwölf Monate, Basic-Statistiken.
Lena Vogel: Und die Geschichte hinter dem Preismodell ist die beste im ganzen Material: Er hatte ursprünglich ein Standard-Jahresabo geplant. Aber da er ein Softwarestudio bewusst langsam, "human pace" betreibt – neben einer chronischen Krankheit, ME –, fühlte sich das gegen seine eigene Philosophie heuchlerisch an. Also komplett umgeschwenkt: Der Kern ist gratis, und etablierte Praktiker schalten Mantra+ mit einem einmaligen kleinen Kauf frei. Kaufen, besitzen, für immer.
Felix Hartmann: Die Mantra+-Funktionen für erfahrene Praktiker: unbegrenzte Custom-Timer und Gongs, tiefere Statistiken über die ganze Historie, Milestone-Badges, bis zu acht tägliche Reminders, iCloud-Sync der Historie – verschlüsselt, ohne dass die Entwickler die Daten sehen –, Apple Watch, Family Sharing bis zu fünf Familienmitgliedern. Einmalig 9,99 Dollar, und zum Launch gibt es einen Code, der das auf 5,99 Dollar reduziert.
Lena Vogel: Die Community-Reaktion war aufschlussreich. Mehrere Leute lobten die Zurückhaltung – einer schrieb sinngemäß: Komplexität in Wellness-Apps wird oft selbst zu einer Sache, die man verwalten muss. Das passe zur Praxis selbst. Ein anderer stellte die fast philosophische Frage: Was hast du bewusst nicht hineingenommen?
Lena Vogel: Und zwei Fragen blieben unbeantwortet im Material: Wie verdient man damit Geld, wenn alles so sparsam ist – und mit null Tracking, woher weiß man überhaupt, ob Leute die App täglich nutzen? Auf Letzteres gibt es einen Hinweis, aber keine fertige Antwort: Das ist womöglich einfach der bewusste Preis der Philosophie.
Felix Hartmann: Lull geht einen ganz anderen Weg – statt Stille eine personalisierte Stimme. Evan hat es drei Jahre lang abends und am Wochenende gebaut. Sein Ausgangsfrust: Jede Meditations-App gibt dir dieselben Aufnahmen, egal, welchen Tag du hattest.
Lena Vogel: Lull hört zuerst zu. Man spricht eine Minute über das, was tatsächlich los ist – laut oder getippt – und Lull schreibt eine Sitzung für genau diesen Moment und liest sie in einer von elf Stimmen. Keine zwei Sessions sind gleich, weil keine zwei Tage gleich sind, so seine Formel.
Felix Hartmann: Und die passiven Daten nutzt er sparsam und ehrlich: Mit einer Oura-Ring-Anbindung liest Lull die Recovery, bevor es ein Wort schreibt – eine schlechte Nacht verändert den Ton der Sitzung. Mit der Apple Watch läuft die Sitzung am Handgelenk mit geführtem Atmen und Haptik, der Puls wird aufgezeichnet, und danach zeigt Lull, wie weit man unter die eigene Ruhe-Baseline abgesunken ist. Oder eben nichts, wenn die Messung nicht sauber war.
Lena Vogel: Das ist der Punkt, auf den er am stolzesten ist – die Ehrlichkeit. Er verweigert bewusst einen erfundenen "Calm Score". Es gibt keine Streaks, keine Schuld-Notifications, keine Goldsterne. Dazu echte Apple-Integration: HealthKit rein – Puls, HRV, Schlaf – und raus – Mindful Minutes, State of Mind –, eine standalone Watch-App, Live Activities, Widgets. Eine "Whisper voice" für 3 Uhr nachts ist ebenfalls dabei.
Felix Hartmann: Wirtschaftlich: Gratis-Download mit Siebentage-Test auf dem Abo, iPhone und Apple Watch, bis jetzt. Und Evan bittet um das, was mehr wert ist als ein Upvote: eine Session probieren und sagen, wo sie einen verliert.
Lena Vogel: Die offene Frage aus der Community, die bislang unbeantwortet steht: Halluzinierte Antworten. Wenn eine KI eine Meditation über deinen eigenen Zustand schreibt – was passiert, wenn sie Dinge erfindet, die nicht stimmen, oder Interpretationen vornimmt, die falsch sind? Gerade in einem so intimen Kontext ist das eine berechtigte Frage. Und analog zu Brent: Wie weiß Evan ohne Tracking, ob die App wirklich genutzt wird – er lehnt ja bewusst Streaks und Überwachung ab.
Lena Vogel: Beide, Brent und Evan, kritisieren übrigens exakt dieselbe überladene Wellness-Branche, nur mit entgegengesetzten Mitteln: Brent mit absoluter Stille, Evan mit generativer Personalisierung.
Felix Hartmann: Wir bleiben bei Tools, die einem Arbeit abnehmen, wechseln aber von der Seele zum Mac. Zwei Einmalkauf-Werkzeuge, die einen immer wiederkehrenden Such- beziehungsweise Bearbeitungsaufwand killen.
Lena Vogel: Erstes: BiBimba. Der Entwickler Rihito ist Solo-Dev in Japan, und der Ausgangspunkt ist banal und universell: Er macht viele Screenshots – Belege, Fehlerdialoge, Slides – und wenn er eine Woche später eine einzige Zahl daraus braucht, kann er nicht danach suchen.
Felix Hartmann: Die Lösung: BiBimba behandelt Screenshots wie Clipboard-Einträge. Beim Aufnehmen läuft sofort OCR über sie, und alles, was man kopiert oder erfasst hat, landet in einem Suchfeld. Tippt man "Rechnung", bekommt man den kopierten Text, den Screenshot mit dem Wort darin, und gespeicherte Snippets. Und dann kann man genau das Stück herausziehen, das man braucht – zum Beispiel eine Belegsumme – und direkt in die App einfügen, in der man gerade war.
Lena Vogel: Die Text-Aktionen laufen über Apples On-Device-Modelle: Übersetzen, Zusammenfassen, Umschreiben, Business-Emails, eigene gespeicherte Anweisungen – mit dem Hinweis, dass dafür ein Mac mit aktivierter Apple Intelligence nötig ist. Nichts geht an einen Server, keine Analytics, die Historie bleibt lokal, und man wählt selbst, wie viele Einträge wie lange aufbewahrt werden. Keyboard-first: eine Tastenkombination öffnet die Historie, Return fügt ein, eine andere startet Text-Aktionen.
Felix Hartmann: Preis: 9 Dollar einmalig für drei aktive Macs, kein Abo. Wer drei mehr braucht, kauft mit derselben Email erneut. Einschränkung, die er selbst klar benennt: Apple Silicon und macOS 26 oder neuer – eine echte Grenze, weil OCR und On-Device-Modelle vom Betriebssystem kommen, nicht mitgebündelt werden. Die Oberfläche gibt es in zehn Sprachen, von Japanisch über Chinesisch bis Arabisch.
Lena Vogel: Die Community hat zwei Fragen gestellt, die beide sehr praktisch sind und im Material unbeantwortet bleiben. Erstens: Ein Nutzer, der Screenshots für Hilfeguides in fünf Sprachen macht, fragt, ob das OCR italienische, deutsche und französische Akzente sauber behandelt oder auf Englisch getrimmt ist.
Lena Vogel: Zweitens: Liest die App den Screenshot beim Aufnehmen oder erst bei der Suche – denn der Anwendungsfall ist ja, dass man Stunden später nur ein Wort aus einem Screenshot erinnert, der unter fünfzig anderen begraben liegt. Nach der Beschreibung läuft das OCR sofort beim Erfassen, das steht jedenfalls so drin. Und eine dritte Frage: Wie schnell ist das bei Vielscreenshottern – gibt es eine Verzögerung, bis ein neuer Screenshot durchsuchbar ist?
Felix Hartmann: Zweites Mac- beziehungsweise Browser-Tool: Lumiko. Der Entwickler verlor laut eigener Schilderung eine Stunde pro fünfminütiger Aufnahme an Keyframes. Der Cinematic-Zoom-and-Pan, den man in den runden Tutorial-Videos sieht, entsteht normalerweise dadurch, dass jemand manuell Marker über jeden Klick legt.
Lena Vogel: Lumiko beobachtet Cursor und Klicks, während man aufnimmt, und erzeugt danach die Zoom- und Pan-Bewegung selbst – keine Keyframes. Dazu ein voller Timeline-Editor im Browser zum Trimmen, Splitten und Umsortieren, Smart Blur, das per Drag-API-Keys, Emails und Passwörter versteckt, ein zieh- und skalierbarer Webcam-Bubble, Custom Backgrounds, Klick-Effekte, und Export bis 4K in unterschiedlichen Aspect Ratios – 16:9 für YouTube, 9:16 für Shorts und TikTok, 1:1 für LinkedIn.
Felix Hartmann: Und die Datenschutz- und Infrastruktur-Geschichte: Alles rendet lokal in der Browser, kein Account, kein Upload, keine Render-Queue. Die Videos gehen nirgendwohin. Free-Tier umfasst unbegrenzte Aufnahme, Auto-Zoom, Smart Blur, bis 1440p – mit Wasserzeichen. Pro kostet regulär 29 Dollar, aktuell zum Launch 9 Dollar, einmalig, für immer, inklusive 4K, ohne Wasserzeichen, bis zu drei Geräte.
Lena Vogel: Die Community-Frage dort, die im Material offen bleibt: Kann man einen falsch platzierten Zoom überschreiben? Der Fragesteller sagt, die Cursor-Position stimme meistens, aber genau dann nicht, wenn er die Maus bewegt, während er redet. Das ist der klassische Trade-off bei automatischer Editierung: Sie ist schnell, aber wenn sie falsch liegt, braucht man Kontrollmöglichkeit. Eine Antwort darauf ist im Material nicht enthalten.
Lena Vogel: Dazu kam eine Support-Frage zu einem Lizenzcode, der nach dem Kauf nicht angenommen wurde – also auch dort ein offener Punkt.
Felix Hartmann: Was BiBimba und Lumiko verbindet: Beide sind lokal, beide Einmalkauf statt Abo, beide greifen einen sehr spezifischen, wiederkehrenden Zeitaufwand ab – Suchen in Screenshots beziehungsweise Keyframes setzen. Und beide sind jung genug, dass die Community-Fragen noch offen sind. Was man fair sagen sollte: Die Preisgestaltung mit Launch-Rabatten ist bei beiden sichtbar, man sollte also damit rechnen, dass der aktuelle Preis nicht der dauerhafte ist.
Lena Vogel: Wir runden mit drei Produkten, die eine alltägliche Unordnung in einen klaren Plan verwandeln – Rezepte, Aufgaben, und eine ganze Spielesammlung. Zuerst Mise.
Felix Hartmann: Mise kommt von Robot Recipes, und das Problem ist kuchenerprobt: Rezepte helfen dir, ein Gericht zu kochen. Aber eine Mahlzeit hat mehrere Gerichte! Eines allein ist schon schwer aufs Timing zu kriegen – bei mehreren erwartet man fast, dass die Dinge nicht gleichzeitig fertig werden.
Lena Vogel: Die Lösung: Man wählt die Gerichte – oder nimmt Vorschläge –, wählt die Essenszeit und die Portionszahl, und Mise plant jedes Gericht rückwärts von diesem einen Zeitpunkt. Ergebnis: ein Startzeitpunkt, eine verschmolzene Einkaufsliste, und Schritt-für-Schritt-Anweisungen mit Uhrzeiten. Die Roboter lesen die Rezept-Schritte und rechnen aus, wie lange jedes Gericht braucht und welche Schritte Hände brauchen – und schieben Gerichte früher, damit sich zwei Hands-on-Schritte nie in die Quere kommen.
Felix Hartmann: Der Kochmodus ist gut durchdacht: Er zeigt nur, was jetzt zu tun ist, hält den Bildschirm wach, piept, wenn ein Schritt fällig ist, und braucht nach dem Laden keine Verbindung. Also: Laptop aufs Küchenbord und los. Gratis, ohne Login, ohne App, ohne Werbung im Weg. Die Rezeptbasis ist die ganze Robot-Recipes-Bibliothek – tausende Rezepte, nach Kursen und Küchen sortiert, von Nepalesisch bis Peruanisch – plus auf Abruf generierte neue.
Lena Vogel: Und der Entwickler ist ehrlich: "Es ist nicht immer 100 Prozent perfekt, aber ich denke, du findest es besser als raten oder Zettelzettel." Das ist eine erfrischend nüchterne Selbsteinschätzung. Die Community-Diskussion dazu ist noch dünn – es ist früh –, aber die offene Frage ist klar: Wie oft scheitert das Timing in der Praxis, und wie fühlt sich der Koch an, wenn ein Gericht doch 10 Minuten früher fertig ist?
Lena Vogel: Laut Beschreibung gibt es einen Zustand "Resting, in the oven, simmering" im Timeline-Interface, was vermuten lässt, dass sie damit rechnen – belegt ist das Verhalten im Detail aber nicht.
Felix Hartmann: Doneit 3.2 hat auch mit der Umwandlung von Analogem in Plan zu tun. Der Update-Fokus ist das überarbeitete Doneit Assist: Man kann beim Task-Planen Fotos anhängen – eine handschriftliche Liste, ein Whiteboard, ein Dokument – und daraus werden Aufgaben. Dazu: zusätzliche Details für genauere Aufgaben, Vorschläge für Reminders und Attribute, Aufgaben in Subtasks aufbrechen.
Felix Hartmann: Und Assist kann eine kurze Zusammenfassung einer Task-Liste erstellen, die wichtigsten Aufgaben hervorheben und die anstehenden zeigen.
Lena Vogel: Dazu kommt Systemintegration: Task-Listen und Aufgaben sind für die neue Siri AI mit Onscreen-Awareness zugänglich, man kann Aufgaben per Siri hinzufügen, der Shortcut hat mehr konfigurierbare Parameter, und das Listen-Widget unterstützt die neue extra-large-Portrait-Option. Für Apple-Nutzer mit Siri-Gewohnheiten ist das ein reales Feature-Update, nicht nur Kosmetik.
Felix Hartmann: Und wieder stellt die Community die kritische Frage, die ich stellen würde: Handschrifterkennung ist genau der Punkt, an dem solche Dinge in der Praxis scheitern – wildes Kritzeln, Pfeile, durchgestrichene Items. Was passiert, wenn Doneit Assist etwas falsch liest? Zeigt es, was es "gesehen" hat, bevor es Aufgaben erstellt, oder merkt man es erst, wenn eine falsche Aufgabe auf der Liste auftaucht? Im Material ist diese Frage offen. Das ist ein echter Lackmustest für das Feature.
Lena Vogel: Und dann, um das Spektrum komplett zu machen: Steam Frame. Valves neue VR-Brille, mit viel Steam-Deck-Denken drunter. Sie läuft auf SteamOS und kann unterstützte Spiele standalone spielen. Will man die volle PC-Bibliothek, streamt sie vom Gaming-PC über den mitgelieferten 6-GHz-Adapter. Das Headset hat Doppel-Radios für stabiles Streaming.
Felix Hartmann: Der Punkt, der in der Diskussion als der klügste hervorgehoben wurde: Die Controller sind beides – VR-Wands und ein vollwertiges Gamepad. Die meisten Standalone-Headsets zwingen dich, zwischen VR-Input und echter Controller-Erfahrung zu wählen. Valve nicht.
Felix Hartmann: Der Hunts-Autor sagt sinngemäß: Valve hat irgendwie eine Brille gebaut, die mich dazu bringt, zuerst Desktop-Mode zu öffnen – da sitzt ein normales Linux-PC unter der VR-Schicht, und er vermutet, er würde fast so viel Zeit damit verbringen, damit herumzuspielen, wie VR zu spielen. Very Valve.
Lena Vogel: Fairerweise auch der Kritikpunkt aus der Community: der Preis. Ein Nutzer vergleicht mit dem Meta Quest 3 und sagt, das sei teuer – gut ein Drittel über dessen Preis. Das ist eine legitime Positionierungskritik: Steam Frame ist kein Massenmarkt-Gerät, es richtet sich an Leute, die ihre Steam-Bibliothek mobil und drahtlos haben wollen. Und eine weitere offene Frage: Wie schwer ist das Headset bei langen Sessions, gerade weil Valves Controller allein nicht leicht sind?
Lena Vogel: Dazu gibt es im Material keine Antwort.
Felix Hartmann: Das war heute unsere Runde. Falls wir noch einmal zusammenfassen, was verbindet: VoiceCap hält Meetings fest, Basedash Models hält Daten-Definitionen fest, Punch hält die Gruppenchat-Fakten fest, Mise und Doneit halten den Tag fest, BiBimba hält Deine Zwischenablage fest, und Lumiko hält Deine Aufnahmen fest.
Lena Vogel: Genau – und dazwischen sitzen zwei Apps, die bewusst nichts festhalten wollen: Mantra Timer ohne Tracking und Lull ohne Streaks. Und dazu Squirrel als Gegenpol, das aus Unachtsamkeit eine Zahl macht.
Felix Hartmann: Wichtig für heute noch: Vieles von dem, was wir gehört haben, sind Hersteller-Behauptungen – Brian's Stundenzahlen, VoiceCaps Sprachqualität, Bioterms Benchmark-Wert von 92,2 gegen 101 – wir haben die heute nicht geprüft. Was wir von echten Leuten gehört haben, waren einzelne Stimmen aus der Community, keine kollektive Meinung.
Lena Vogel: Danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal.
Felix Hartmann: Tschau!