
0831 | Superagent, oMLX, Ulpaso und Topview Motion Studio
Show notes
Diese Folge stellt eine Reihe neuer Tools vor, die sich um zwei große Trends drehen: KI-Agenten, die einen eigenen Computer bekommen, und Software, die bewusst ohne Cloud und ohne Konto auskommt. Superagent gibt Agenten einen echten Browser, iOS-Simulator und eigene Dateien auf dem eigenen Gerät, während Maritime isolierte VMs für Kundenagenten in Serie auf Servern anbietet. oMLX verwandelt den Mac in einen schnellen LLM-Inferenz-Server mit restart-festem Cache, der Claude Code und Cursor deutli
Zeitleiste
- 00:00:00 Einleitung
- 00:00:22 Superagent & Maritime: KI-Agenten mit eigenem Computer
- 00:01:50 oMLX: Der Mac als schneller LLM-Server
- 00:03:10 Ulpaso, Caplio & Edge Drop: lokal statt Cloud
- 00:04:33 Launch-Videos ohne Studio: Motion Studio, Prequel & Sayscroll
- 00:05:41 Murfy AI: Ein Agententeam fürs wissenschaftliche Schreiben
- 00:06:16 ChordWeaver: Kostenloser Spielplatz für Musiktheorie
- 00:06:48 RIP MY BUILD: Ein Friedhof für tote Nebenprojekte
Weitere Links
- Superagent - Bri Product Hunt
- Maritime - Bri Product Hunt
- oMLX - Bri Product Hunt
- Ulpaso - Bri Product Hunt
- Caplio - Bri Product Hunt
- Edge Drop - Bri Product Hunt
- Topview Motion Studio - Bri Product Hunt
- Prequel - Bri Product Hunt
- Sayscroll - Bri Product Hunt
- Murfy AI - Bri Product Hunt
- ChordWeaver - Bri Product Hunt
- RIP MY BUILD - Bri Product Hunt
Diese Folge wurde von Bri produziert. Bri nutzt fortschrittliche KI-Technologie, um die Feeds, die dir wichtig sind, in Podcasts zum Zuhören zu verwandeln. Kontakt: hi@bri.so.
Transcript
Lena Vogel: Willkommen zu Product Hunt täglich auf Bri Radio. Ich bin Lena Vogel.
Felix Hartmann: Und ich bin Felix Hartmann. Heute schauen wir uns unter anderem Superagent, das Grafik-Toolkit oMLX und Topview Motion Studio an.
Lena Vogel: Außerdem nehmen wir Ulpaso und Murfy AI in den Blick sowie den Nebenprojekt-Friedhof RIP MY BUILD.
Lena Vogel: Auf Product Hunt ist diese Woche mit Superagent ein Coding-Agent gestartet, der sich bewusst nicht wie ein Terminal anfühlen will, sondern wie eine gute Mac-App. Das Tool gibt einem Agenten einen eigenen Computer: einen echten Browser auf den eigenen eingeloggten Sitzungen, einen iOS-Simulator, den es antippt und durchwischt, dazu eigene Dateien, ein Board und Routinen auf einem Timer, die regelmäßig anstoßen, ohne dass man eingreifen muss.
Felix Hartmann: Die Chats liegen in einer Seitenleiste, die man gruppieren kann, sie überleben Neustarts und laufen jeweils auf einem eigenen Git-Worktree. Wer sein iPhone koppelt, dem folgt die Arbeit dorthin, verschlüsselt Ende zu Ende. Beachtlich ist vor allem, was da nicht gebraucht wird: kein Konto, kein Server, keine zweite Rechnung, dazu Open Source – ein klarer Gegenentwurf zum Modell, sich auf einen Cloud-Dienst festzulegen.
Felix Hartmann: Wobei es dafür fast einen direkten Gegenentwurf auf demselben Feld gibt: Maritime richtet sich an Firmen, die Agenten verkaufen und jedem Kunden einen eigenen Computer geben wollen, ab einem Dollar pro Agent im Monat. Jeder Agent läuft in einer isolierten, persistenten Virtual Machine mit Browser, Dateien und eigenem Zustand; Maritime übernimmt Infrastruktur, Skalieren und automatisches Schlafen und Aufwecken, damit man nicht selbst Tausende VMs verwalten muss.
Lena Vogel: Damit sind es zwei sehr unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage, wo ein Agent eigentlich zu Hause ist: Superagent zielt bewusst auf das Home- und Einzelgerät-Erlebnis, Maritime auf Agenten in Serie auf Servern.
Felix Hartmann: Der große Ärger bei lokalem Coding ist oft die Wartezeit aufs Modell. Dagegen kommt oMLX an – ein LLM-Inferenz-Server für den Mac, der aus der Menüleiste läuft und die Antwortzeiten von Agenten wie Claude Code und Cursor von etwa neunzig Sekunden auf rund fünf Sekunden drücken soll.
Lena Vogel: Das hängt an kontinuierlichem Batching und an einem gestuften KV-Cache, der im Arbeitsspeicher und auf der SSD liegt und Neustarts übersteht, damit das Modell nicht bei jedem Schritt neu anfangen muss. Vom Prinzip her ist das dieselbe Cache-Idee, die auch Superagent verfolgt, nur eben auf der Inferenz-Schicht. Dazu bedient oMLX nicht nur Text, sondern auch Vision, OCR, Embedding- und Reranker-Modelle.
Lena Vogel: Weil die Schnittstellen von OpenAI und Anthropic kompatibel sind, können Claude Code und Cursor direkt andocken, ohne Umbau. Das Tool ist nativ in Swift statt Electron geschrieben, also ohne aufgebauschtes Web-Fenster, und steht unter der Apache-2.0-Lizenz quelloffen.
Felix Hartmann: Die Kernfrage bleibt, ob die fünf Sekunden unter typischer Last stabil bleiben. Gemessen ist zwischen Modellen und Clients eine Größenordnung – und solange das nicht unter echten Parallel-Updates erprobt ist, bleibt die fünfundneunzigprozentige Ersparnis ein Versprechen, kein Messergebnis.
Felix Hartmann: Dazu zwei bodenständige Mac-Werkzeuge, die beide nach demselben Prinzip arbeiten: nichts hochladen. Ulpaso nimmt Meeting-Notizen auf, ganz ohne Konto und ohne Abo-Gebühr – man drückt Aufnahme, und das Mikro gemeinsam mit dem Systemaudio wird lokal transkribiert und landet in einer Markdown-Datei, die man wirklich editieren kann.
Lena Vogel: Das Zitat aus der Community trifft es genau: Man hat die Nase voll von Apps, die erst Meeting, E-Mail und Kreditkarte verlangen, bevor man irgendetwas schreiben darf. Angesichts der üblichen zwanzig Dollar im Monat fürs Notizen-Protokoll ist das ein klarer Gegenentwurf, auch wenn die Qualität der Transkription die eigentliche Währung bleiben dürfte.
Felix Hartmann: Caplio zielt auf ähnliche Weise auf lokale Dateien ab, nur eben Bilder statt Meetings: Aus verstreuten Screenshots und Alltagsbildern entsteht eine durchsuchbare, private Bibliothek auf dem Mac. Man fügt Ordner hinzu, und es beobachtet sie, indexiert sie und zieht mit On-Device-OCR den Text heraus.
Lena Vogel: Gesucht wird über eine Zeitleiste, über Volltextsuche oder Kategorien, die es zum Teil selbst vergibt, und am Ende lässt sich ein Bild direkt in eine andere App ziehen. Bei beiden gilt dieselbe Zusicherung: keine Uploads, kein Cloud-OCR, die Bilder und Transkripte verlassen den Rechner nicht. Damit schließen sich die beiden auf einer Linie an – Daten bleiben dort, wo sie entstehen.
Felix Hartmann: Zwei Tools, die Videos auf ganz unterschiedliche Weise aus dem Weg räumen. Topview Motion Studio richtet sich an Teams, die Launch-Videos zu Produkten bauen wollen, ohne After Effects zu lernen oder eine Motion-Design-Agentur zu engagieren. Man beschreibt, was man kommunizieren will, lädt Referenzbilder hoch und wählt Stil, Dauer und Seitenverhältnis aus.
Felix Hartmann: Dahinter kombiniert das Studio KI-Videomodelle mit speziell fürs Motion Design gebauten Fähigkeiten, um aus diesem Brief eine fertige Produktgeschichte zu machen – schneller, einfacher und zu einem Bruchteil der üblichen Kosten, wie es heißt. Das zweite Tool ist Prequel, ein Bildschirmrekorder für den Mac, der direkt ein fertiges Video zurückgibt. Die Zooms folgen dabei der eigentlichen Arbeit, dazu ein formatiertes Kamerabild und ein Hintergrund, exportiert mit bis zu 4K direkt über die Media Engine des eigenen Macs.
Lena Vogel: Interessant, dass Prequel ausdrücklich das Problem adressiert, das beim Vorführen eigener Projekte entsteht. Der Ansatz dahinter ist: Eine rohe Bildschirmaufnahme wirkt flach, ohne Tiefe und ohne Fokus. Prequel liefert genau das Stück Verarbeitung nach, das eine Aufnahme erst präsentabel macht.
Lena Vogel: Bei wissenschaftlichen Arbeiten übernimmt Murfy AI den gesamten Schreib-Workflow mit einem Team aus KI-Agenten, nicht mit einem einzelnen Assistenten. Es schreibt und überarbeitet das Papier im Kontext, behebt LaTeX-Kompilierfehler direkt beim Auftreten, prüft Referenzpapiere und erzeugt Beamer-Folien in Minuten.
Lena Vogel: Für die Kollaboration sind unbegrenzt viele Mitarbeitende möglich, die Echtzeit-Editorfunktion ist dabei, und das Ganze ist kostenlos zum Starten. Der Versprechen lautet, dass man damit zehnmal schneller schreiben, überarbeiten und auf arXiv veröffentlichen kann.
Felix Hartmann: ChordWeaver ist dagegen ein kostenloser Spielplatz für Musiktheorie, auf dem man Stimmen organisiert, harmonische Fortschreitungen erzeugt, Melodien nach verschiedenen Musikgenres harmonisiert und sich mit der harmonischen Reihe experimentiert – auch um komplexe Musik zu analysieren. Dazu kommen ein Story-Modus, erreichbare Erfolge und ein Theory Book zum Lernen.
Felix Hartmann: Der große Punkt dahinter ist die Version 1.1.1, die morgen offiziell erscheint. Schon jetzt steht eine Alpha-Version online, die eine fast vollständige englische Übersetzung mitbringt.
Lena Vogel: Dann zu einer anderen Art von Start-up-Trauer: RIP MY BUILD, ein auf Product Hunt vorgestellter Friedhof für Nebenprojekte. Gründerinnen und Gründer können dort ein eingestelltes Projekt öffentlich und ehrlich mit einem dauerhaften Nachruf verabschieden.
Lena Vogel: Jede Gedenkseite enthält den ursprünglichen Link zum Projekt, die Todesursache, eine gewonnene Lehre und das, was als Nächstes gebaut werden soll, dazu eine teilbare Seite, Besucherrosen, dauerhafte Grabschmuck-Elemente und einen Eintrag in der wöchentlichen Ehrentafel.
Lena Vogel: Zum Stöbern braucht man kein Konto. Wer will, legt allerdings eine private BCC-Gästeliste mit Freunden, Familie und ehemaligen Kollegen an, und die Nachrufe erscheinen erst nach einem Review. Spannend dabei bleibt die widersprüchliche Preisangabe: Das Launch-Listing nennt zwölf Dollar pro Nachruf, während die Produktwebsite und ein Community-Kommentar sagen, Nachrufe seien dauerhaft kostenlos.
Felix Hartmann: Genau dieser Widerspruch ist ein guter Haken, weil unklar bleibt, welcher Preis gilt. Unabhängig davon läuft die Ehrentafel über ein Punktesystem: Lesevorgänge zählen plus eins, Shares plus zwei, Rosen plus drei und Grabschmuck plus fünf, und das Register setzt jeden Montag um Mitternacht UTC zurück.
Felix Hartmann: Als redaktionelles Beispiel führt die Website den Nachruf auf Logology aus den Jahren 2018 bis 2023 von Dagobert Renouf und Lucie Baratte mit den Todesursachen-Kategorien Burnout und Cofounder. Die dort festgehaltene Lehre: Das Team habe fünf Jahre mit Perfektionieren verbracht und zu langsam geliefert, um die Marke fertigzustellen.
Felix Hartmann: In den Community-Kommentaren haben mehrere Nutzer eigene Fehlschläge geteilt. Ein Kommentator sagt, er habe sein Produkt poliert, bevor überhaupt eine Landingpage stand – ein Muster, das ziemlich genau zu der Logology-Lehre passt.
Lena Vogel: Wir haben heute gesehen, wie KI-Agenten endlich ihren eigenen Computer bekommen – und oMLX, das jeden Mac in einen LLM-Server verwandelt, dessen Cache Neustarts übersteht.
Felix Hartmann: Genau, das sind zwei Entwicklungen, die den Alltag mit lokaler KI wirklich verändern. Danke, dass ihr zugehört habt.
Lena Vogel: Bis zum nächsten Mal.